Mira

29. April 2011

Wir schleichen durch dreckige Straßen. Drücken unsere Körper gegen rauhe Wände. Immer auf der Hut sein. Du hältst meine Hand, so selbstverständlich als würden wir uns seit Jahren kennen. Bestimmend und fest. Unser Weg führt ins nirgendwo. Ein zu Hause existiert nicht mehr.

Meine braunen Haare zu einem Pferdeschwanz gebunden, kauerte ich weinend in einem Hauseingang. Die hellen Sommerschuhe und das blassblaue Kleid, dass viele schöne Sommerstunden bescherte , waren über und über mit Staub und Ruß bedeckt. Meine Hände zitterten, die Stimmen um mich verhallten dumpf an meinen Ohren. Ich weiß nicht ob du zufällig an mir vorbei liefst. Aber du nahmst meine Hand und hast sie nicht mehr losgelassen.

Als ich ein Kind war,  zogen meine Eltern nach Prag. In die „Goldene Stadt“ an der Moldau. Schnell lernte ich die Sprache und fand neue Freunde. Wir verbrachten die Tage in den engen Gassen und auf den weiten Plätzen der Innenstadt. Zum Freundeskreis meiner Eltern gehörte der Schriftsteller Max Brod. Ein beeindruckender Mann, der stets darauf bedacht war Leid und Unrecht zu bekämpfen.

(via)

Ich weiß nicht wer du bist. Ich folge dir, weil es keine andere Möglichkeit gibt.

Seine Mutter sah mich und sagte zu ihm: „Kümmer dich um das Mädchen.“  Er nickt nur .

Mehrere Tage sind seit diesem Augenblick vergangen. Deine Ruhe gibt mir Ruhe. Meine Füße schmerzen, aber du ziehst uns immer weiter. In der Nacht schlafen wir für zwei, maximal drei Stunden im Dickicht des Waldes. Du redest nicht viel, aber das macht mir nichts aus.

Rituale

28. April 2011

Es ist weit nach Mitternacht. Der Lärm der Straße dringt unaufhörlich in unser Zimmer hinauf. Das Hotelbett ist weich. Zu weich. Der Flug der Mücke streift uns. Unsere Körper sind müde vom Tag, die Köpfe hell wach.

Und plötzliche höre ich mich von Ritualen sprechen. Von sich wiederholenden Dingen. Vom Bruttonationalglück. Vom König von Buthan. Und das es bestimmt auch ein privates Bruttopersonenglück gibt, wenn schon die Formel für Glück nicht gefunden wurde. Rituale gehören irgendwie dazu.

Du fragst nach dem Warum. Ich nicke in die Schwärze der Nacht und schmunzel. Fetzenhaft fliegen die Gedanken die sich zu Worte formen – zu den Morgenstunden, die eine Stunde früher beginnen können. Die gefüllt sind mit Musik, Kaffee und Nachrichten im Bett vor der Arbeit. Das macht Glücklich.

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Du fragst mich, warum das glücklich macht. Ich drehe mich auf die Seite und schaue in die Richtung, in der ich dein Gesicht vermute. „Der Alltag ist laut und hektisch. Menschen achten nicht auf sich, nicht auf andere. Alles fliegt und zerrt. Wo bleibt da die Ruhe, die man so bitter benötigt? Rituale entschleunigen.“

Du fragst nach dem Wie. Auf Ellenbogen gestützt, die Beine in der Luft überkreuzt, sage ich dir, dass man in sich reinhören muss. Auf sich hören. Zuhören was das Innere flüstert. – Es flüstert manchmal so leise, dass sich alles ungehörte sammelt und anfängt zu schreien.

Rituale entschleunigen. Erlauben das Zuhören.

Koffer

16. April 2011

Die Liebe wurde in Koffer verpackt.

Auf staubigen Schränken verstaut.

Die Schlüssel unter Lilien vergraben.

Mein Koffer ist undicht.

Ich schiebe meine Finger hinein und krame.

Habe ich nicht zugehört:

„Das macht so viel Sinn… dass du in meinem Leben bist“, sage ich und verschweige alles, was meinem Flug in deiner Welt den Auftrieb nimmt.“