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Lethargie

Sie schleicht sich hinterhältig an und nistet sich ein – im Kopf, im Körper.

Zunächst scheint es als wäre man einfach müde. Man hatte einen anstrengenden Tag, starrt vor sich hin und denkt: nichts. Nicht so schlimm.

Irgendwann bemerkt man, dass es da noch dieses Lieblingsbuch gibt. Es liegt neben dem Bett – Seite 56 – seit sieben Wochen – neben drei weiteren, die man eigentlich lesen möchte. Aber es geht nicht.
Es kommt der Punkt, an dem man – Abends im Bett liegend – feststellt: Ich hab seit drei Tagen keine Musik mehr gehört, ich hab seit drei Wochen keine neue Musik mehr gehört. Ich bin traurig.
14 Stunden am Tag verschwimmen die Buchstaben und Bilder auf dem Bildschirm vor deinen Augen. Sie sind einfach da, ohne dass man sie wirklich wahrnimmt.
Schreiben ist nicht möglich. Abhanden gekommene Worte. Kommunikationslos. Überwindung.

(via santosha65)
Es hat dich erwischt. Die Lethargie hat dich.
Sie saugt dich aus. Sie gibt dir: Nichts.
Du bemerkst sie, doch sie fesselt dich. Lässt dich nicht gehen.
Du funktionierst. Du lebst. Du liebst.
Aber du bist nicht du. Nicht vollständig.
Du würdest so gern – einfach mal wieder eine gute Platte hören und lächeln – das Buch neben deinem Bett in die Hand nehmen, lesen und nicht weglegen können – weiße Flächen mit schwarzen Buchstaben füllen.
Ich will etwas tun. Ich will es jetzt tun.

Befindlichkeiten

Ich möchte schreien,
toben,
Haare ausreißen,
wüten,
Teller zerschlagen,
kotzen,
Kissen zerpflücken,
ausflippen,
Fingenägel in Haut krallen,
ohrfeigen,
Bücher zerreißen,
heulen,
stampfen.
Rennen.
Erschöpft zusammensacken.
Erleichtert sein.
Mensch sein.
Nicht funktionieren.

Automatismus

Schlafen – Aufwachen – Gedanken rotieren – Schlafen.

06.00 am – wach.
Panik schnürt die Kehle zu. Das Schlucken fällt schwer.
Sprünge. Hin und Her. Fetzen von Erinnerungen.
Der Puls rast. Die Augen füllen sich mit Tränen. Kullern über die Wangen.
Körpernervosität.
Der Magen krampft sich zusammen. Übelkeit steigt auf.
Noch vier Stunden.
Adrenalin. Trockener Mund.
Noch viereinhalb Stunden.
Reden ohne Nachdenken. Automatismus.
Noch fünf Stunden.
Erleichterung. Freude.
Noch fünf Wochen.
Schlafen – Aufwachen – Gedanken rotieren – Schlafen.

(via Belle Blanche)

Bettdeckengeflüster

Es ist früh, ich schätze sieben Uhr. Die Traumbilder verschwimmen nur langsam. Durch das angekippte Fenster hört man den leichten Nieselregen. Die noch frische Morgenluft kühlt mein Gesicht. Müde reibe ich meine Augen, die sich nicht öffnen wollen. Ich spüre die Wärme, die von der anderen Seite unter der Bettdecke zu mir hinüber strömt. Mein Kopf fängt an zu arbeiten – realisiert, dass es Wochenende ist. Zufrieden hole ich Luft, verkrieche mich noch tiefer in der Bettdecke. Es wird wärmer. Ich platziere einen Kuss auf deinem Rücken und schlafe lächelnd wieder ein.


Sehnsucht nach blauem Himmel


 

 

Verkehrter Kopf

Der Kopf ist schon ein komisches Gerät. Keine Bedienungsanleitung, keine Knöpfe, keine Regler. Man kann ihn nicht leise stellen, wenn er zu laut ist und wenn er etwas flüstert, dann überhört man es schnell. Und in ihm rast fortwährend der Verkehr der gesamten Welt.

An manchen Tagen ziehen riesige Wolkenfelder durch ihn hindurch und machen das Manövrieren auf Gedankenfeldwegen und Wissensautobahnen fast unmöglich. Es sind diese Wolkenberge, die man nur aus einem Flugzeug sieht – mächtig, wattig-weich, undurchdringbar, leuchtend – in denen man sich verlieren will. Und genau dies geschieht mit den Ideen und Gedanken, die auf Wolkenfelder im Kopf treffen, sie verlieren sich im Straßennetz.

An anderen Tagen dann: Stau. So’n richtig fieser Stau. Schuld ist ein Verkehrsunfall, von dem man den Blick nicht abwenden kann. Ein Wort, ein Satz, eine Idee die es durch das Dickicht der Wolken an die Oberfläche geschafft hat und nun völlige Aufmerksamkeit fordert. Dieser Stau lässt keine Existenz von anderen Gedanken zu. Er absorbiert sie und nutzt sie für sich aus, um immer größer zu werden. Das Größerwerden von Ideen an sich ist ja nichts schlechtes, von einem Stau aber schon. Und die Konsequenz eines Staus: Massenkarambolage. Kein unten, kein oben, kein rechts, kein links. Chaos. Ein logischer Einzelgedanke hat es geschafft im chaotischen Ganzen zu münden.

Und manchmal: Leere. Autofreier Sonntag, nur das es meist keinen Sonntag betrifft, was in einer unzumutbaren Unproduktivität gipfelt. Das Rot der Wände wird für rot gehalten, die Sonne für hell befunden, die Strumpfhose für zu eng. Das Ganze endet dann im Starring-Contest mit dem Laptop.

Und ab und an, da flutscht der Verkehr auch mal. Da läuft alles reibungslos, 1a. Alle Ampeln sind grün. Keine Bummeltrienen die ihr Auto verkehrt herum durch Einbahnstraßen schieben. Das unbedienbare Gerät ‚Kopf‘ funktioniert – einfach so. Die Knöpfe, Regler und Verkehrspolizisten, die man sich manchmal gewünscht hat, sind überflüssig – bis zum nächsten Stau.

Nah

Schwüle – stickige Luft, die U-Bahn rauscht durch den Berliner Untergrund.
Menschen steigen ein, steigen aus.
Der Waggon bliebt voll – voller Stimmengewirr.
Es ist laut und heiß.
Wir sind platt.
Ich lehne an einer Stange, schließe die Augen.
Atme langsam, ein leichter Windhauch dringt durch die angekippten Fenster ins Innere.
Du stehst vor mir – ganz nah.
So nah, dass deine Augen vor meinen verschwimmen, wenn ich zu dir hochschaue.
Ich spüre deinen warmen Atem, rieche dich.
Die Bahn fährt an.
Dein Körper berührt meinen.
Beschleunigt.
Mein Körper berührt deinen.
Beschleunigt – mein Herzschlag, mein Atem.
Spannung, Kribbeln, Elektrizität.
Du schaust mich an und schweigst, ich auch.
Genießt du auch das Verlangen?
Die Bahn bremst.
Menschen steigen ein, Menschen steigen aus.

 

Sommer-Erinnerungen

Sonnenstrahlen kitzeln meine Nasenspitze.
Die kleinen Fältchen auf dem Nasenrücken und um die geschlossenen Augen zucken im Rhythmus meines Lächelns.
Ein leichter Windhauch weht eine Haarsträhne in mein Gesicht.
Der Mund leicht geöffnet, tief einatmend.
Nackte, bunte Zehen verstecken sich zwischen Grashalmen.
(http://chaotisch-logisch.blogspot.com/)
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